spätantikes Handwerk und Handel


Handwerker und Gewerbetreibende gehörten Berufsvereinigungen an (Collegium) wie z.B. Müller, Zimmerleute (Feuerwehr), Stuckarbeiter, Küchendiener, etc. Vereinshaus = Schola.
Es wurden Lehrlinge (ergátes) vom Lehrherr (magister) eingearbeitet, bis sie erfahrene Fachmänner wurden (technítes). Der Lehrling unterstand während der Lehre der hausväterlichen Gewalt seines Lehrherrn. Nicht belegt, aber wahrscheinlich ist, dass eine Prüfung vor einem Magistergremium abgelegt wurde und auch ein Abschlusszeugnis ausgehändigt wurde.

Lohnarbeiter/Tagelöhner wurden oft von einem redemptor/Unternehmer tageweise oder für länger vermittelt.
Eine Art Leiharbeitsfirma gab es also schon damals.
Die Arbeitszeit betrug "vom Sonnenaufgang bis Einbruch der Nacht". Im Sommer also bis zu 14 Stunden, im Winter dafür aber nur höchstens 9 Stunden - im Norden noch weniger. Überstunden mussten gesondert bezahlt werden.
Lohn konnte aus Geld oder Naturalien bestehen, oft aus neuen Kleidungsstücken, die einen hohen Wert darstellten.

Kinderarbeit war üblich ab dem 5. Lebensjahr. Allerdings beschränkt auf "leichtere" Tätigkeiten wie Bedienen und Servieren bei Banketten, aber auch das Hüten von Kleintieren, Unkrautjäten, Arbeit am Weinstock. Oft waren Jungen und Mädchen im Textilgewerbe mit Wollarbeiten oder Sticker beschäftigt.

Neben dem kleinen Handwerkerbetrieb gab es auch große Manufakturen, in denen bestimmte Waren sozusagen am Fliessband hergestellt wurden oder die Arbeit im Verlagswesen - im häuslichen Umfeld - erledigt wurde. Der Rohstoff wurde dem Heimarbeiter zur Verfügung gestellt, ein Festpreis bezahlt. Ein sicherer, aber meist nicht gut bezahlter Job, denn den Handelsgewinn strich der Redemptor ein.

Der typische Handwerkerbetrieb ist der Familienbetrieb, in dem der Meister die Ware herstellt und auch selbst verkauft. Die vicii bestanden demnach aus den typischen Häusern mit straßenseitigem Verkaufraum, dahinter die Werkstatt und im 1. Stock die Wohnräume. Mit Schildern, Inschriften und Dekorationen wurden die Waren beworben, die vermutlich in großen Fenstern angeboten wurden. Des Nachts verschloss man sie mit großen Holzläden.
Handwerker taten sich zusammen, um z.B. einen großen Brennofen gemeinsam kostengünstiger zu betreiben.
Es gab aber auch fast reine Gewerbesiedlungen, die sich aufgrund einer günstigen Rohstofflage bildeten, wie z.B. die Terra Sigillata-Produktion in La Graufesenque/Frankreich oder die Keramikproduktion in Weissenthurm am Rhein.

Unter Diokletian erfolgte in Gallien die Gründung vieler Staatsbetriebe für die gesicherte Produktion von Waffen, Bleierzeugnissen, Textilien, Ziegel oder Münzen. Er wollte die Versorgung des Militärs und des enorm vergrösserten Beamtenapparates sichern. Bergbau wurde praktisch nur vom Staat betrieben, ggfs. in Pachtverträgen in kaiserlichem Auftrag.
Es gab Sicherheitsvorgaben und Überwachungsgremien, die Aufsicht hatte der Fiskus. Ggfs. wurden wertvolle Marmorsteinbrüche, etc. vom Militär gesichert.

Man vermutet, dass viele Spezialhandwerker von Ort zu Ort, bzw. von Auftrag zu Auftrag zogen. Evtl. wurden z.B. Glasbläsereien nur kurz errichtet, um ein größeres Gebäude oder einen Gläserauftrag vor Ort zu erfüllen. Der sichere Transport über längere Distanzen wäre höchst schwierig gewesen. Das Rohglas für praktisch sämtliche römischen Glaswaren stammte aus Nordafrika und wurde über Rom ins ganze Reich verhandelt.

Vielleicht arbeiteten die Spezialisten im Rotationsverfahren mal hier mal dort vor Ort für einen großen Saisonmarkt, wo sie ihre Produkte einer großen Käuferschar versorgen konnten und zogen weiter zum nächsten größeren Marktplatz.

Materialen wurden recycelt. Praktische alle unbrauchbar oder zu Bruch gegangene Metallgeräte und -stücke wurden gesammelt, worunter sich wohl auch oft gestohlenes und per Hehlerei verkauftes Material befand.

Da für viele Gewerke unglaubliche Mengen von Holz in die diversen Brennöfen und Schmiedefeuer wanderten, verkarsteten ganze Gebiete durch die Abholzung der Wälder.

Frauen führten als Hauptaufgabe den Haushalt. Bei Handwerkern und Unternehmern wird die Frau die Bücher führen. Sozialer Aufstieg nur über Heirat möglich. Repräsentationspflichten in Kult und Gesellschaft. Nur in Ausnahmen ist bekannt, dass Frauen einen Betrieb alleine führten – vielleicht als „Regentin“ für den noch minderjährigen Sohn. Überliefert sind soziale Berufe wie Ärztin, Hebamme, Amme, Erzieherin, Fischverkäuferinnen, Goldschmiedinnen, Modistinnen
Für praktisch jeden einzelnen manuellen Herstellungsprozess gab es einen eigenen Beruf - so war es auch bis in die Neuzeit.


Händlerbezeichnungen
Negotiator - Groß/Händler/Handeltreibender
Negotiator vestiariae et lintiariae– Tuch- und Leinenhändler
Negotiator sagarii (sagarius)  et paenularii (paenularius) - Händler für keltische Oberbekleidung des Sagum und paenula
Negotiator sagari – Mantelhändler
Negotiator frumentarius/ Getreidehändler ?
Negotiator vinarius / Weinhändler
Negotiator muriarius – Gewürzesossenhändler (Garum, Liquamen) /Marinaden aus Fisch und Salz, auch eingelegter Gemüse und Hülsenfrüchte.
Negotiator pecuarius – Viehhändler, vor allem mit Schafen und Schlachtvieh
negotiator suarius oder porcarius – Schweinehändler
negotiator cretarius (artis cretariae) – Kunstkeramikhändler (aber auch Geschirr, Krüge, Lampen, allgemeine Haushaltswaren, statuetten aus Ton, Glas und Metall)
Negotiator argentarius - Silberwarenhändler
Negotiator Cervesarius – Bierbrauer und - händler
Negotiator artis ratiariae – Floßholzhändler
Negotiaror lignarius – Holzhändler
Negotiar artis lapidarii – Händler von behauenen Schmucksteinen für Weihesteine, Grabsteine, Standbilder, etc. Hausfassaden.
Negotiator Gladiarius - Waffenfabrik/Waffenhersteller in legionseigenen Handwerksbetrieben
Negotiator familiae gladiatoriae – Gladiatorenschulenbesitzer/Manager
Negotiator annularius – Juwelier/Ringhändler
Negotiator sesplasiuarus – Kosmetikhändler (Schminke, Öle, Salben, Seife, Pomaden, etc.)
Negotiator artis purpurariae – Purpurfärber und –Purpurstoffverkäufer (aus Persien oder Tyrus kam der beste Purpur)
Negotiator Prossarius – Händler für gekämmte Wolle/ -langhaarige Wollstoffe

Namenssammlung - z.T. mit Berufshinweisen
von Inschriften und Weihesteinen
Copiritus - Bronzegiesser
Apollini Caius Aurelius Caii/Negotiator
Tito Statilio Tauro – Kommandeur der Pioniere
Preci Capitonis (Führer einer Ala/Reiterverbandes)
Eumachia aus Pompeji - Wollhandel
Severina – Amme aus Köln
Julia Domna – die Tochter eines syrischen Baal-Priesters, verheiratet mit Septimus Severus
Tito Julio Tuttio Titi
Julio Paterno
Tiberio Claudio Haloto – ein freigelassener Sklave
Epaphra – ein Freigelassener
Suricula (w)
Arablia (w)
Lycontia (w)
Retecius
Posidonius
Florentina
Nunechius
Julio Castino
Name eines freigelassenen Sklaven: Iucundus
Namen v. Zirkuspferden: Compressor, Timendus, Aurora
Aegidius
Aelianus
Aeonius
Aniarius – vir spectabilis (hoher Beamter)
Aetheria
Alcima
Usiciola
Amelia
Araneola
Livia
Selina
Herchenfred
Tontius Incitatus – Nauta und. Negotiator frumentaris
Victorius Ursus -  
Minthatus Vitalis – vinarius und Großhändler in Lyon
Caius Sentius Regulianus
Lucius Hilarianus Cinnamus – Olearus
Marcus Fadius (Narbonne) – Olearius
Lucius Julius Aquensis – Olearius
(Amphorenaufschrift „muria Hispana garum“ auf einer Fischsossenamphore
Marcus Primus secundiamus – murianus
Marcus Attonius Restitututs – Fleischhändler
Sextus camasus – Fleischhändler
Tiberius Mainonus Victor – Caniarius
Lucius Sabidium Capito – Caniarius
Caius Vescius Primus – Lanius (Bingen)
Caius Apronius Raptor – vinarius und nauta in Tirer
Sextus Ligurius Marinus – curator v. Lugdunum
Maspetia Silvana  (Wein)
Maximus Paternius – Vinarius aus Vienne
Publius Capitonius Catulus
Lucius Securius – Transporteur (Maultiere, Fässer)
Julius Verecundus – laudecenarius/Feinkosthändler (Lyon)
Julius Victor und Julius Clemens – negotiatores vestianus
Lucius Priminius Ingenuus – neg. verstianus
Familie der Secundii – Tuchhändler aus Igel/Trier
Marcus Accius Primus – Tuchhändler
Sextus Vervicus Eutyches – Vestianus aus Aquitanien
Sextus Senodius Severus – Vestianus aus Aquitanien
Aprunculus
Claudius
Hilarius
Remigius
Doryphorianus
Similio –  Name eines Bootsmanns
Chresimos – Name eines Flusskapitäns
Publius Longidienus Publii Filius (Publius L. Sohn des Publius) – ein Schiffsbauer
Sexto Haparonio Iustino
Marcus Vecilius Verecundus – Tuchwalker/Filzarbeiter
Vepotalus/Töpfer
Villo
Sabino
Iucundus
Lohnarbeiter/Mercennarius



Keltische Wörter
Rig = König/Herr
Rigion/Region = Herrschaftsbereich
Dunon/durum = Burg
Dulum = Busch/Blatt
Briga = Berg
Brica - Furt
Magos = Feld/Ebene
Cambos = krumm
Ritu = Furt
Maros = groß
Catu = Kampf
Befestigte Flussübergange durch die keltische Namensendung „brica“ bezeichnet.



 


Vokabular Handwerk/Berufe
Viehmarkt = forum pecuarium
canabae - Lagervorstadt
officina – Werkstatt, Büro
arenarius –Platzarbeiter
baiulus – Lastträger
conductor – Pächter
Ursarius – Beruf Bärenfänger- für Tierhetzen
weinpresse – prelum
Kelterhaus – torcularium
Kelterleute – turcularii
Behackung des Weinbergs – pastinatio
Brei aus Getreide – puls
Mörser – mortarium
Hänge-/Schlachthaken – carnarium
Schlachtmesser – culter
Schinken – perna
Drehmühle mit Eselsantrieb
Bodenstein – meta
Läuferstein – catillus
Bäckerschaufel – pala
Mehl/Spreusieb – cibrum
Backmulde – alveus
Scheffel m. Streichbrett/Meßbecher – modii
Strudelkuchen – placenta
Bäcker/Müller in Personalunion – pistor/pistores
Backwarenverkäufer/händler – negotiator pistorius
Fleischer/Metzger – carnarius
Weber – textores
Aufseher – custodes
Küfer - capulatores
arenarius –Platzarbeiter
baiulus – Lastträger
conductor – Pächter
Ursarius – Beruf Bärenfänger- für Tierhetzen
gladiarius – Schwert
Schiffer/Seemann – nauta
Steuermann – gubernator
Schleppkahn – lenunculus
Lastenträger/Lastwagen
händler/negotiator
Ölhändler/Olearius
Fischsossenhändler/murianus
Weinhändler/vinarius
Tuch/Bekleidungshändler/vestiarius
Wollhändler/Lanius (Wollgewinnung durch Scheren oder Auskämmen/-zupfen)
Schere – forfex
Scherkamm – pecten
Spinnen – nere
Tuchwalkerei – fullonica
Weben – texere
Villenverwalter – Vilicus/Vilica (w)
Knechte – operarii
Ochsentreiber/Pflüger – bubulci
Eselstreiber – asinarius
Schweinehirt – subulcus
Schafhirt – opilio
Tieropfergehilfe beim Priester – victimarius
Stützpfähle (für Zäune oder Rebenstützen) – pali
Handgriffe, hölzerene – munabria
Korbflechter
Gerber – sutor
Flickschuster – sutor cerdo, sutor veteramentarus, sutor sutriballus
Stiefel – caliga
Stiefelschuster – sutor caligrius
Schusterwerkstatt – taberna sutrina
Schusterleisten – forma calcei
Schusterzuschneidemesser – culter crepidarius
Schiffsbauer – fabri navales
Hobel/Schnitzmesser – ascia
Steinmetz – lapidarius / Stein, Hammer, Meißel, Lot
Maurer/Bauhandwerker – structor
Steinsäge (mit Hilfe von Reibsand)
Techniker/Vermesser – mensores
Landvermesser – agrimensores
Messgerät – gromaz
(Hausvermesser)Architekt – mensor aedificiorum
Töpfer – fugulos? Herstellung von Amphoren oder Dolien, Modellierstab
Dolientöpfer – doliarius
Gerber – coriarii
Bleiarbeiter – plumbarius (z. B. für Wasserleitungen)
bubulcus (Ochsentreiber)
asinarius (Eselstreiber)
salictarius (Weidenrutenzüchter)
subulcus (Schweinehirten)
Färber – Tinctor
Purpurfärber – purpuraius
Schere – forfex
Grobschmied/Eisenschmied – faber farrarius
Hammer – malleus
Zange – forceps
Amboss – incus
Bronzeschmied
Messerschmied – cultrarius
Pachtzins – merces oder pensiones, zahlbar an Zahltagen – dies pecuniarum
Kleinpächter am Gutshof – colonus/colonii
Grobschmied/Eisenschmied – faber farrarius
Hammer – malleus
Zange – forceps
Amboss – incus
Kupferschmied – faber aerarius (Töpfe, Schalen, Eimer (genietet und/oder gelötet)
Messerschmied – cultrarius
Vici canabae – Straßen/Wohn- und Handelssiedlungen in der Nähe von Militärlagern
Olearius – Ölhändler (als Nahrungsmittel, Lampenöl, Salböl, Badeöl, Salben)Umschlaghafen Narbonne, Haupthandelsplatz für Gallien in Arles
Pelliones/Kürschner
Pistor/pistores – Bäcker in Personalunion mit Müller (Einführung der Wassermühle im 4. Jahrhundert!)
Pistor candidarius – Konditor/Kuchenbäcker
Ratiarius – Flößer
Sagarius – Mantelhersteller
Solearius/Calceolarius/Schuhmacher
Vestiarius – Kleidermacher/Schneider
Viminarius – Korbhändler/Weidengeflecht
calligarius - Holzschuhmacher
Capistrarius – Halftermacher
Caupo/nes/Copo/nes – Schankwirt/Wirtshausbetreiber  in Personalunion mit Krämer, der vor allem in ländlichen Gegenden in seiner Herberge auch Proviant über eine Außentheke verkaufte
Chartarius – Papierhändler (meist aus dem Osten des Reiches)
Cuparius /Küfer
Fabri argentarii (argentarius) – Silberschmied
Fabri intestinarii und fabri subaediani – Möbel/Truhenschreiner
mercator - Kleinhändler/ Produkte-Selbstvermarkter
Faber tignuarius – Zimmermann/Holzhändler
Fullones - Walker
Librarius – Buchhändler(meist auch Schreiber, auch Buchhalter)
Lanius – Metzger/Schlachter (mit Kugelhammer wird das Großvieh betäubt, Hackmesser, Fleischsäge, Hackblock)
Lanarius – Weber
Lardarius – Speckhändler/getrocknetes oder gepökeltes Fleisch, auch für Räucherware wie Speck oder Schinken, Produktion direkt hinter den Läden in Ziegelräucherkammern)
Aus dem griech. Stammend auch „propola“ meist in der gallia narbonensis
Macellarii – Fleischwarenhändler (Wild- und Haustierfleisch, Fisch)
Navicularius und nauta araricus – Transporteure / nauta Rhodanicus (Rhone?)
navicularius (marinus) – Schiffsreeder  (übersee)
Nautus – Binnenschiffer /nautae mosallici
Nauta rhenanus – Rheinschiffer (bisher kein Beweis vorhanden)
Servir augustales – kaiserlicher Hoflieferant ?
nautae - waren wohl in der Regel Schiffsbesitzer, die auch als Geschäftleute ein Handelshaus betrieben
Kalkbrenner
Korbflechter/vitores (Körbe, Fischerreusen, Vogelkäfige)
Mattenflechter
Maurer/ Verputzer/Stukkateur/Mosaikleger/Maler/Tüncher
Steinbrecher/Steinmetz/Ton- und Gipsformer
Zinnoberreiber/(mit Mundschutz aus Schweineblasen)/Zinnober aus Südspanien
Bleiarbeiter/Plumbarii
Weberin, (Flick-)Schneiderin, Goldwirkerin
Kunstdrechsler, Glasschleifer (diatretarii), Kürschner
Girlandenmacher, Gärtner
Riemenhersteller
Schuster
Büstenhalter-, Korsett- und Gürtelmacher
Nussbaumfärber
Malvenkleidermacher
Bortenwickler
Dosenmacher
Kalfaterer, Seilmacher, Ballastbeschaffer
Fischer und Taucher
Bürstenmacher (Holz mit gestutzten Schlehdorntrieben)
Pechhersteller (Birkenpech - im 15000 Jahre alten Verfahren)
Leimhersteller (Knochenleim)
Harzkleber
zum Abdichten von Gefäßen
Scharniermacher (aus Knochen und Holz)










TEXTILIEN

Wolle

Lieferant: Schaf, Ziege, Lama, Kamel, etc.
Zucht der feinwolligen Merinoschafe im antiken Spanien. Die Ausfuhr der Schafe war bei Todesstrafe verboten.
Im 12. und 13. Jahrhundert Zucht von Wollschafen unter Aufsicht von Fürsten und Klöstern.
Viel Importwolle im Mittelalter.
Wertbestimmung über
Feinheit = geringster Wollquerschnitt ist beste Qualität
Reinwollgehalt (ohne Schmutz- und Schweißbestandteile) – Schafe vor der Schur waschen!
Kräuselung je mehr desto besser = mehr als 14 auf 1cm (super electa), unter 3-4 = quinta
Die Kräuselung bestimmt wie sich Wolle in feuchtem Zustand zusammenzieht und beim Trocknen wieder streckt.
Länge = je länger desto besser, deshalb nur eine Vollschur im Jahr
Dehnbarkeit
Reißfestigkeit
Elastizität (Knitterfestigkeit)

FLACHS/LEIN
Die ersten Datierunen für Gewebe aus Hanf ist 8000-7000 v. Chr.
Seit 4000 v. Chr. schon in Persien/ Ägypten verbreitet (Ursprungskultur schwarzes Meer?)
Starker Flachsanbau im mittelalterlichen Deutschland, Handel mit Flachs- und Leinenerzeugnissen. Flachsdiebstahl vom Feld wurde hart bestraft.
Flachsbrecher und Kämmer
Flachs/Leinen
Gesponnen wurde wohl überwiegend in Heimarbeit, die Weiterverarbeitung fand dann wohl in Betrieben statt, die Platz hatten für die Wasserbecken, Trockengestelle, etc. Wahrscheinlich gab es aber auch gewerbsmässige Webereien als Zulieferer

Anbau und Ernte
Ernte durch Raufen, also Ausreißen der gesamten Pflanze mit der Wurzel oder sehr tiefes Abschneiden mit der Sense. Raufen bringt aber die Faserlänge, die bis in die Wurzel reicht.
Für das Ernten des Flaches braucht man pro Ha 50-60 Mann mehr als für die Getreideernte.
Der Flachs wir beidhändig in Büscheln ausgerissen und in Büscheln (wahrscheinlich mit einem Halm gebunden) 24 Std auf dem Feld gelagert, bis er „steifhalmig“ ist und zu zu senkrechten Büchelburgen zusammenstellt wird. 12-20 Tage muss er austrocknen. Der Samen kann in der Zeit komplett ausreifen (Wetterabhängigkeit/Risiko).

Danach werden die trockenen Flachsgarben eingefahren und geriffelt – es werden Blätter entfernt und die Samen ausge“kämmt“. Dazu gabe es schon bei den Germanen und Ägyptern einen Riffelkamm.
Danach werden die Stengel „geröstet“. In großen Bottichen werden die Stengel bei 30-35 Grad Wassertemperatursenkrecht eingestellt, mit Steinen beschwert und 3 Tage im Wasser  „geröstet“. Innerhalb kurzer Zeit werden die holzigen Stengel ausgelaugt und durch Bakterien das Pektin zersetzt. Danach werden die Flachsgarben senkrecht zum Trocknen aufgestellt.
Nach der Trocknung lassen sich jetzt durch das Brechen,  „Schwingen“  und „Hecheln“ die Faserbündel von Rinde und Holzteilen trennen. Dabei müssen die Bündel immer zusammenbleiben, damit die Fasern sich nicht verwirren.
Wenn der reine Bast übrig ist, wird er versponnen und verwebt.

HANF/Leinen
Ursprung Zentralasien (Schwarzmeerkultur?)
Anbau der zweihäusigen Pflanze. Verträgt Spätfröste bis -6 Grad.
Aussaat je nach Region von Mitte März bis Mitte Mai. Nordfrankreich und Deutschland eher Anfang Mai
Organische Düngung mit Mist oder Gülle in der Wachstumsphase.
Berüchtigter Schmarotzerpflanzen-Schädling ist der Hanfwürger/Gegenmaßnahme Saatgutreinigung
Windbestäubung.
Männliche Pflanzen wachsen schneller rund blühen früher, überragen deshalb die weiblichen Pflanzen. Nach der Blüte können sie deshalb auch ausgerupft werden, während sich die weiblichen Pflanzen weiterentwickeln können.
Ernte Ende August
In der Winterzeit wurde der Hanf verarbeitet.
Die über 3m langen Stengel werden mit Sichel oder Sense geerntet oder gerauft.

Der Hanf wird dann auf dem Felde ausgelegt zum Trocknen. Der Samen reift dann am Stengel aus. Nach dem Trocknen wird der Hanf eingefahren, entsamt und gelagert.
Man kann den Hanf auf dem Felde auch Taurösten, das ergibt aber nur eine unerwünscht dunkle Faser für Gebrauchsgewebe (z. B. Säcke).
Eher wird man auch wie beim Flachs das Warmwasseröstverfahren genutzt haben.
Die ausgedroschenen und entblätterten Stengel werden in Warmwasserbecken (Holzbottiche, gemauerte Becken) (28-30 Grad) eingelegt. Die Bottiche werden durch Schiebedeckel hermetisch abgeschlossen, um Wärmeverlust zu vermeiden. Nach ca. 30 Std. haben die Bakterien ihre Zersetzungstätigkeit vollendet.
Ist der Hanfstengel unter-röstet, lassen sich die Fasern schwer vom Holz trennen, die Faser wird später spröde und weniger geschmeidig. Bei Überröstung nimmt die Fasermenge und –festigkeit ab.
Dann wird das Wasser aus den Bottichen abgelassen und Stengel zum Trocknen aufgestellt.
Es sollte ein Trocknungsgrad von mindestens 86 % erreicht werden, sonst besteht die Gefahr einer Nachröste, die die Faser dunkel verfärbt (das könnte aber auch gewollt sein, um verschiedene Farbtöne zu bekommen)
Durch Knicken und Brechen der Stengelbündel zwischen Walzen, werden die Fasern von den Holzkörpern getrennt. Hier fallen die meisten Schäben schon aus.
Das nachfolgende Schwingen – einmal von der Wurzelseite her, dann von der Kopfseite her, entfernt die letzten anhaftenden Holzstückckchen und produziert den Schwingwerg. Die Bastfasern sind nach dem Schwingen oft noch recht steif und grob. Deshalb setzt man noch mal einen Weichprozess nach. Der Hanf wird nochmals durch immer feiner gerifelte Walzen geführt. Danach erfolgt das Hecheln durch eiserne Kämmbretter, werden die Fasern von Holz- und Rindenresten befreit.
Nach dem Hecheln werden die Hanffaserstränge zu einem Zopf gedreht und zu einem Knoten gebunden und zu Ballen gepresst. Danach Spinnen und Weben. Seilverarbeitung, etc.
Bei der Faserproduktion entsteht ca. 30-40 % hochwertige lange Faser (Hechelhanf), 55-65% Hechelwerg (kurze Fasern) und 3-5 % Abfall.

Endprodukte: Schäben als Brenn-und Dämmmaterial und Stallstreu. Werg als Dämmmaterial und Dichtungsmittel
Fasern als Bindfäden, Schnüre, Leinen, Seile, Kordeln, Netze, Gurte und Taue, Säcke, Zeltbahnen, Segeltücher, Gebrauchswäsche und Kleidung.

Aus den vorgeschroteten Samennüssen lässt sich im Kaltpressverahren Hanföl pressen. Enthält Linolensäure (ähnlich Leinöl).

Für die Verwendung als Speiseöl sollte das Öl vorher gekocht werden, um den bitteren Geschmack zu vertreiben. Die Verwendung des Pressrückständes als Viehfutter ist wegen der Bitterstoffe stark begrenzt.


Seiler/Seilstraßen
Schnüre, Seile, Taue aus Spargras, Hanf oder Flachs
saccarius – Sackmacher/Filtermacher (z.B. für Wein)

Tuchherstellung

Schäfer/Schur/Wolle/Textil

Stoffproduktion Vestialius - Tuch- und Kleiderhändler (Lucius Albanus)

Flachsbrecher und Kämmer

Flachs/Leinen
Gesponnen wurde wohl überwiegend in Heimarbeit, die Weiterverarbeitung fand dann wohl in Betrieben statt, die Platz hatten für die Wasserbecken, Trockengestelle, etc. Wahrscheinlich gab es aber auch gewerbsmässige Webereien als Zuleiferer

Wolle (scheren, waschen, färben, kämmen, spinnen, weben)
 (Das Wollstück wird gewalkt und verfilzt, danach Reinigung von Fett und Flecken, zum Schluss mit sauberem Wasser gespült. Danach wird das Tuch mit einem eiserenen Wollkamm gekratzt und die Wollfaser aufgerichtet, danach wird sie geschoren. Für weisses Tuch wird das Wollstück geschwefelt.
danach in die Kleiderpresse(bügeln) und zu Ballen verschnürt in den Handel gebracht oder zu Kleidungsstücken verarbeitet.
In Trier gibt es eine staatliche Tuchfabrik, das Gynaeceum; hier arbeiten nur Mädchen, es werden bronzene und eiserne Nähnadeln benutzt.  Der trierische Mantel kostet einen halben Facharbeiter-Jahreslohn.

pannarius – Tuch/Mantelmacher
saccarius – Sackmacher/Filtermacher (z.B. für Wein)

Schneider/ Bortenmacher, Sticker, Fransen, Goldfäden
Haarnetze aus Goldfäden
Um Gewebe zu hochwertigen, festen und dichten Geweben zu verarbeiten, mussten sie gewalkt werden.

Die Fullo/ Fullones/Tuchwalker schlugen und traten die Gewebe in Wasserbecken mit Zusätzen von Urin und Laugensalzen. Der Walker steht dabei in einem Bottich (pila) und stampft den Stoff in kaltem Wasser.
So wurden Gewebe auch gereinigt
Dann wurde das Tuch zum Trocknen auf Holzrahmen aufgespannt oder über Balken aufgehängt. Unter Spannung wurde das Tuch in Richtung der Kettfäden aufgeraut.
Danach wird es zurechtgeschnitten.
Weißes Tuch wird danach über glockenartige Flechtkörbe gebreitet und geschwefelt. Der Schwefel wird in einem Kohlebecken darunter erhitzt.


Filzen und Färben
Im Gegensatz zum Walkvorgang wird Filz (coactilia) mit heißem Wasser in einem Topf auf dem Ofen hergestellt.
Für Schuhe, Hüte/Kappen, einfache Kleidungsstücke
Wolle wird in heißen Farbzusätzen gefärbt
Tuchwalker/Filzarbeiter
Färber – Tinctor oder offector
Purpurfärber – purpuraius
Fullo – Tuchwalker
offector – Färber
pannarius – Tuch/Mantelmacher
gefärbt wurde mit den diversen Naturprodukten:
Wau (Reseda) (grün-gelb)
Krapp/rubia tincorum)/rot
Färberwaid/blau
Nusschalensaft/Brauntöne
Purpurschneckensaft/Purpurrot
Schildlaus/Karminrot
Indigo/blau (Indien)
Granatapfel/schwarz
und viele andere Pflanzen lassen sich zum Färben verwenden


Spinnerei
Galt als eine der vornehmsten Aufgaben der Dame des Hauses und praktisch jede Frau des Haushaltes
steckte abends das gerupfte und aufgelockerte Wollvlies auf den Spinnrocken, hielt ihn Spinnrocken mit der linken Hand . Der Vorfaden wird gezogen und gedreht und wickelte sich auf die durch den Spinnwirtel tanzende Spindel. Viele Sinnwirtel bestanden aus wertvollen Materialen wie Bernstein, Gagat oder sogar Eisenschmuck bestückt.
Sobald draußen die Sonne untergegangen war und man nur noch beim Schein von Öllampen und Kerzen arbeiten konnte, spann man im Frauenclub die Wolle weg, bis man ins Bett ging. Spinnen klappte auch noch im Fastdunkeln. Bis in die Neuzeit war das üblich. Um sich die Zeit zu vertreiben, wurde viel geklascht, gesungen oder man erzählte sich Geschichten. Die Frauen müssen ordentlich "gestählte" und hornige Haut von der rauen Wolle bekommen haben.
Weisse, braune oder schwarze Wolle wurde getrennt versponnen, so dass man allein durch die unterschiedlichen Schäfchenfarben auch unterschiedliche Wollfarbtöne zur Musterbildung beim Weben vorliegen hatte.


Weberei
Die vornehmste Aufgabe der antiken Gattin war das Weben feinster Stoffe für die Familie. Dazu stand irgendwo im Haus oder in einem separaten Gebäude ein Webstuhl, in der Spätantike einer mit Webbalken, ohen die früher üblichen Webgewichte.
Die Wollmenge wurde pro Nase nach Gewicht verteilt (pensum). Noch heute gibt das Wort die Menge der zu leistenden Arbeit an.
Später wurde die Weberei "industrialisiert" und fand in großen Hallen, mit meist weiblichem Personal bestückt, statt. Das klappern der vielen Webstühle muss einen Höllenlärm verursacht haben.
Kleinere Webarbeiten wurden mit dem Holzbrettchen vorgenommen, um Bordüren oder Bänder zu "flechten".
 
Schneiderei
Bortenmacher, Sticker, Fransen, Goldfäden
Haarnetze aus Goldfäden

Stickerei
Teure Kleidung aller Art wurde natürlich auch von Hand bestickt; mit bunten Garnen, wertvollen Gold- und Silberfäden, mit Perlen aus allen möglichen Naturmaterialien und gebohrten Edelsteinen.
Schere – forfex

Handwerk: zumeist ausgeführt im Hinterraum des straßenseitigen Verkaufsraumes. Verkauf direkt oder über Zwischenhändler oder Fernhändler auf Märkten, aus Gallien Salz- und Geschirrhändler


Die Herstellung von Kleidung war überhaupt eines der aufwändigsten Handwerke in der Antike.  Sehr teure Leinenqualitäten kamen aus Tarsos und Alexandria. Seide kam über die Seidenstrasse nach Tyros und Palmyra. Der gemeine Bürger musste sich mit Kleidung aus Wolle, Hanf und Leinen zufrieden geben, Baumwolle wurde verarbeitet.
Aus einem Stück gewebte Tuniken (an die die Arme angewebt waren) mit Halsausschnitt waren sehr teuer, weil nur noch die Seitennähte geschlossen werden mussten.Verziert wurden teure Gewänder mit Goldfäden und bunten Wollborten.

 




 





Leder/Gerben

Es gibt viele verschiedene Arten mit Hirn, Seife oder Ei zu gerben. Mit oder ohne das Äschern, Feucht- oder Trockenschaben, Weichmachen an einer Schnur oder in einem Rahmen, usw.
Der folgende Text beschreibt eine Feuchtschabmethode nach alter Väter Art:
1.) Rehdecke (Jägersprache für Rehfell) oder Ziege beschaffen. Sie werden meistens weggeschmissen, daher einfach vom Jäger zu bekommen. Wichtig beim Abziehen der Decke ist, daß nicht in die Haut geschnitten wird. Schneidet man in die Decke kann es beim Abschaben sein, daß der Schaber in den Schnitt fährt und ein riesen Loch entsteht.
2.) Fleischseite grob vom Fleisch, Fett, usw. befreien (25 min). Dazu braucht man ein geeignetes Schabwerkzeug, eine Schürze und einen Gerbbaum. Der Gerbbaum misst 15-20 cm im Durchmesser und besteht z.B. aus Buche, Eiche, Birke.
3.) In Holzasche legen für ca. 3 Tage
4.) Auf der Fellseite Haare, Oberhaut und Narbenschicht abschaben, auf der Fleischseite Unterhaut abschaben
5.) Wässern für ca. 2 Tage (variiert je nach Temperatur)
6.) Auswringen, bis kein Tropfen mehr aus der Rohhaut kommt.
7.) Gekochte Hirnmasse (oder Ei oder Öl+Seife) warm (nicht heiß!) in die Rohhaut ein paar Minuten einmassieren und ca. 30 Minuten ziehen lassen
8.) Erneutes Auswringen.
9.) Weichmachen. Hier geht es darum, das Zusammekleben der Fasern beim Trocknen der Haut zu verhindern. Die Haut wird einige Stunden lang in alle Richtungen gezogen bis sie vollkommen trocken ist. Man kann das über dem Knie machen, auf einem Gerbrahmen, an einem Stahlkalbel...
10.) Danach sollte die Haut geräuchert werden, um sie gegen die Witterung zu imprägnieren. Man mit einem wasserlöslichem Naturkleber zwei Lederstücke zu einem Sack zusammen, der unten offen ist, so daß Rauch hinein kann. Das Leder sollte auf keinen Fall zu heiß werden, daher ist es ratsam den Sack unten zu verlängern (z.B. durch alten Baumwollstoff).

Gerberei/Leder in der Antike




Schon zur Zeit der Griechen, aber natürlich auch bei den Römern war die wirtschaftliche Bedeutung der Lederherstellung beachtlich, da es in praktisch allen Bereichen des Lebens gebraucht wurde.
Die Herstellung von Leder war ein schmutziges und buchstäblich anrüchiges Gewerbe, daher war die Gerberei eine gesellschaftlich nicht sehr anerkannte und gefährliche Arbeit. Der Umgang mit der faulenden Haut und den oft giftigen Zusätzen setzte extremen Gestank frei. Der starke Aasgeruchs der ungegerbten Tierhäute und der Gefahr der Ansteckung durch Milzbrand und anderen Krankheiten, verbannte die Gerbereien meist vor die Stadttore. Ein Arbeiter, der Milzbrand überlebt hatte, war sehr wertvoll und genoss eine bessere Behandlung durch seinen Arbeitgeber. Die Arbeit wurde hauptsächlich von Sklaven verrichtet.
Die Römer benutzten als Gerbmaterialien Kiefern-, Erlen- und Granatbaumrinde, Galläpfel, Sumach sowie Eichenrinde.

Die Gerbebottiche waren außen mit Lehm verstrichen und innen mit Harz oder Pech abgedichtet.

Aus den starken Ledern wurden größere und belastbarere Waren hergestellt, aus feiner, mit Alaun gegerbter weisser Schafshaut z. B. (Nicht wasserdichte) anschmiegsame Kopfkissen, Kleidung, Handschuhe und Geldbeutel. Kleinere Lederbeutel dienten auch zum Aufbewahren von Parfümen und Heilpflanzen.

Ganze Tierhäute wurden für den Transport von Flüssigkeiten zu Schläuchen verarbeitet. Aus einer einzigen Rindshaut entstand der Culleus = 525 Liter, der gerne zum Weintransport verwendet wurde.
Im Alltag dienten kleinere Schläuche aus Ziegenhaut dem leichten Transport von Öl, Wein und Wasser. Innen waren die Schläuche mit Pinien- oder Zedernextrakt getränkt, um unangenehmen Geschmack möglichst zu verhindern. Der wasserdichte Vorgänger des Rucksacks.

Lederverabeitung/Gerberei/Sattlerei, Kürschner/Gürtelhersteller
Die Verarbeitung von Leder wird in verschiedenen Berufszweigen durchgeführt worden sein:
Sattler, Zaumzeugmacher, Lederschneider, Möbelbezüge, Taschenmacher, Handschuhmacher, Schuster und Sandalenmacher, Gürtelmacher, Hutmacher, Lederrüstungsteile für die Soldaten, Soldatenzelte, Planen für Wagen, Riemen/Antriebsriemen aller Art.


Schuhmacher

Ledermesser, Ahle, Nähte mit Tiersehnen,
Stiefel, Sandalen, Pantoffel für drinnen, geschlossene Schuhe für die Reise, Soldatenschuhe, Militär- und Arbeitsschuhe waren genagelt. Zur Toga war der geschlossene Calceus pflicht und es wurden auch Schuhe prächtig verziert mit Edelsteinen und Perlen.
Die Leisten konnten sogar auf Kundenfussgröße angepasst werden.
Der reiche Mensch von damals hatte bestimmt seinen eigenen Leisten.



Halftermacher/frenarii
Hersteller von Lederschläuchen/cullarii
kleine Lederbehältnisse/ampullarii
Doppeltaschen/manticularii
lederne Packsättel/sagmarii
Lederpanzer/loricarii


Tavernen und Kneipen, Strassenstationen, Ställe
Krämer, Gastwirt, Schankwirt – caupo/copo – meist auch Betreiber einer Herberge mit mehreren Zimmern, Theke mit Ausschank (über Zapfanlage in der Theke auch),  Regale an der Rückwand,

Popina – reine Schankwirtschaft
Caupona – Schankwirtschaft mit Herberge
Deversorium – Herberge
Taberna deversoria – Herberge und Gaststätte
Taberna cauponia – Kneipe und Handelslokal
hospita/domina – Wirtin
merum – unvermischter Wein
mixtum – mit Wasser verdünnter Wein
calda – warmer Wein/Glühwein
vitula – Liebchen
animula – Herzchen/Seelchen
amator – Liebhaber
Stabulum – Stall
Stallpersonal
Pferdeführer, Stallknechte, Wagenlenker
Bauer (Pflugscharen, Wetzsteine, Haken für die Heuballenverladung, Spaten, Flach- und Ziehhacken für den Gartenbau), Heugablen, Rechen, Worfelkorb, Ochsengespanne, Leiterwagen, Sicheln)
Fischer – Flussfische, Netze, Angel, Stör, Lachs, Karpfen (auch in Fischbecken/Zuchten auf den Landgütern) Aus Bronze waren z.B. die Filetnadel zum Netzreparieren und die Angelhaken.
Fischer – Flussfische, Netze, Angel, Stör, Lachs, Karpfen (auch in Fischbecken/Zuchten auf den Landgütern) Aus Bronze waren z.B. die Filetnadel zum Netzreparieren und die Angelhaken.

Imker, Honig, in Honig eingelegte Nahrungsmittel
Bienenwachs für Kerzen, Wachstäfelchen, etc.
Wachstäfelchen-Hersteller

Müller/Bäcker(auch Großbetriebe mit großen Mühlsteinen), kneten des Teiges mit Pferdekraft, überwiegend wurde aber zu Hause für den Eigenbedarf gemahlen

Bäcker - pistor
Großbäckereien und Backwarenverkäufer


Handmühlen im Haus,
mahlen und Teig kneten mit Maschinen, betrieben mit Maultieren oder Pferden in Großbetrieben




große Drehmühle - Xanten

Viehzüchter/Schlachter/Metzger/Schweinefleischhändler
Ianio = Fleischer/Schlachter/Metzger
percuarius – Berufsname
lanio – Metzger/Schlachter, Name: Tiberius Mainonus Victor
Geschlachtet wurde aus hygienischen Gründen meist ausserhalb der Stadtgrenzen, wo in große Abfallgruben die nicht verwertbaren Reste eingebuddelt wurden und Geruchsbelästigung an der Tagesordnung war. Wobei wohl wenig Rest übrig bliebt, weil so ziemlich alle Bestandteile eines Tieres als Grundmatrial für alles mögliche diente und verwendet wurde. (Leder, Kerzentalg, Knochenschnitzerei, Knochen für die Kalkbrennerei, etc.)
Innerorts die Verkaufsläden mit Hauklotz und Beil zum Zerlegen der Fleischstücke, mit direktem Verkaufladen an der Straßenfront. Manchmal mit Räucherofen und langem, gemauertem und geziegeltem Grillbecken, mit Holzkohlefeuer, zum Fleisch/Fischgrillen als Imbiss.
Schinken, gespickte Filets,  Eberkopf, Schweinebauch, Speck, Lunge

Maler
Tiberius Iulius Tertius – Maler
Bemalung von Wänden und Decken mit geometrischen Mustern, aber auch figürlicher Bemalung, Vögel, Ranken, Pflanzen, Kentauren, Gastmalszenen. Auf feuchtem Putz (fresco) oder auch auf der trockenen verputzten Wand.
Farben mit Farbpigmenten aus Mineralfarben wie Mennig, Eisenoxyd, Zinnober, Ocker oder auch aus pflanzlichen Stoffen.

Barbier/Friseur in Thermen oder privat
Friseur (tonsor), Friseurin (ornatrix), Barbiere, Bader, Ankleidehelfer, Masseure, Perückenmacher, Haarefärben, Haarentferner (Pinzette)
Parfüm- und Salbenhändler -negotiator seplasiarus


Bibliothekare/Schreibwaren
In Bibliotheken waren die Schriftrollen mit Titelzetteln auf der Kopfseite der Rollen ausgestattet.
Wachstäfelchen-Hersteller
Schreiber, tabularius – Rechnungsführer, Sekretär
tabellarius - Postbote
Das Notizbuch aus in Holz gefasster Wachstafel und Griffel. Das Wachs war schwarz und bei Druck beim Schreiben kam das helle Holz durch. Wichtige Dokumente waren aus Pergament oder Papyrus und mit Tinte aus Ruß und Säure in schwarz oder rot geschrieben

Beinschnitzer
Gegenstände aus Knochen und Horn, Kämme, Knöpfe, Zierbesätze, Haar- u. Nähnadeln, Griffel, Spielsteine, Würfel, Messergriffe, Möbelzierrat.




Musik/Musiker/Flötenspieler/Schauspieler/Hornbläser/Lauten-und Harfenspieler/Trommler/etc.

Tischorgel mit Blasebälgen und 4 Manualen, Pfeifen aus Blei?,
Wasserorgeln

Museum Mainz

und der gesamte geächtete Berufsbereich von Flötenspielerinnen, Tänzerinnen, Schauspielerinnen, Wirtinnen, Prostituierte.
Ziegleien/Töpfereien/Brennerein/Tongruben



Ziegel/Dachziegelfabriken,Bauziegel, Bodenbeläge, Geschirr, Wandisolierungen und Ziegel-Luft-Systeme f. die Hypokausten, Terra Sigillata-Töpfereien, vermutlich von aus dem Süden eingewanderten Töpfern

Im 4. Jahrhundert bekommt die Mayener Ware (in Mayen aber auch Töpferei in Weissenthurm) beherrschen die Keramikmarkt und werden den Rhein auf und ab gehandelt, evtl. als Zuschlag zur Mühlsteinfracht.

Terra sigillata wurde bis weit ins Germanische über den Rhein nach Osten gehandelt.

Töpfer/Brennöfen/Abfallgruben für Fehlbrände, Modeln, Reliefkeramik, Modelierwerkzeuge, Töpfescheiben
Herstellung von grobem Koch- und Tafelgeschirr, Lampen, Schälchen, Becher, Krüge, Terrakottafigürchen,












Töpferstempel








Bergbau und Industrie in der Osteifel
SteinIndustrie:
Trier ist bedeutender Moselhafen mit Thermen, Zirkus, Stadion, Uni, Palastaula
Kalkabbau f. Mörtel und Putz
In der Nähe von Metz keltische Gold/Silberauswaschung, Eisen- und Bronzeherstellung, Salzgewinnung und Fernhandel der Salzquelle von Chateau-Salins/Marsa
Schon die Kelten stellten erst Reibsteine, später Handmühlsteine her.
Mit Eisenkeilen und schweren Hämmern werden große Steine ausgekeilt.

Die Basaltsälen wurden dann vermutlich in Unterständen schräg aufgebockt oder abgestützt und mit einem schweren Hammer grob in zylindrische Form gebracht. Die bruchrauen Ober- und Unterlager der zukünfrigen Mühlsteine wurden grob geglättet. Der Durchmesser wurde angerissen (mit Zirkel oder Schnur). Für die Läufersteine (doppelt konkav) und die konischen Ständersteine (metae) muss man wohl Schablonen oder Winkel verwendet haben. Die Ausarbeitung der Reibeflächen für römische Mühlsteine (sechs Schärfungsrillen auf der Reibefläche) wurde mit Spitzhacke und Fäustel eingeschlagen. Ausschlagen des Achsloches, bzw. Mühlenauges und für die Mühlhaue, den Mitnehmer, der von der Mühlachse aus in den Läufer eingriff und die Drehbewegung vermittelte.

Tachyt aus dem Siebengebirge, Basalt v. Mayen für Staßenpflaster und Gebäudefundamente, Tuff für Brunnen, Gräber, Wasserleitungen, Häuser, Mühlsteine. Schiefer für Dächer.

römische WErkstatt für Tuff-Verarbeitung unter einem Gebäude in Mayen/Am Kendel
nördliche Eifel – Kalk (für Mörtel), Export vor allem an den Niederrhrein bis England.

Sand- und Schiefersteinabbau
Vermutlich gab es sowohl in der Nähe der Grube, als auch in Andernach Werkstätten.
Tuffabbau unter anderem auch für den römischen Mörtel, der auch im Wasser aushärtet:
gemahlener Tuff (Trass) mit Kalk oder Zement vermischt.

Tuff – ist als Block nach feucht und leicht zu bearbeiten; trocknet aus und wird dann leicht, bleibt aber druckstabil.

Damnatio ad metalla / Verurteilung zur Zwangsarbeit in den Steinbrüchen

Kalkbrennerei

Kalk aus der Nordeifel
Branntkalk für Mörtel, Legionäre beschickten die Öfen und sorgten für Holznachschub
Brenntemperatur 1050 Grad C. Es wurde Tagund Nach gebrannt. Eine Ofenfüllung incl. Abkühlung dauerte 6-7 Tage. 6 Brennöfen hatten eine Produktionskapazietät von 200 T Kalk/Monat.
calcarii – Kalkofenarbeiter
Bei Iversheim b. Euskirchen – 6 Kalkbrennöfen
 
Steinmetze und Bildhauer/Gebäude, Kunst, Statuen,Grabsteine
In der Osteifel Balsalt- Tuff- und Lavaabbau für Reibsteine, später für Mühlsteine
Tuff, Basalt, Basaltlavaabbau bei Mendig, Kruft, Mayen, Rheinbrohl
Hafen/Kran in Andernach
Basalt, Tuff









Maurer
Publius Ferrarius Hermes – Maurer (Dechsel, Lot, Maurerkelle, Setzwaage, Pinsel und Winkelmaß)
Kalkmörtel/opus caementicium als Gussmauerwerk – Mörtel mit Beimischung feiner oder grober Stein/Splitt/Ziegelsplitt. Auch Keramikreste von zerbrochenen Amphoren oder Ziegeln wurden mitverbaut. Verarbeitung in Schalenbauweise zwischen zwei aufgemauerten Wänden oder in Holzverschalungen. Äußere Wände wurden verputzt und bemalt.

Wasserdichte Verputze entstanden durch Beimischung eines speziellen Vulkanauswurfgesteins (vom Vesuv oder auch vom LaacherSee-Ausbruch), Trass genannt.








Göpelwerk zur Herstellung von Säulen.






Mayen - Werkzeugfunde




Offenbar arbeiteten in Mayen ganze Betriebe unabhängig voneinander, aber unter gemeinsamer Leitung der Großgrundbesitzer der Villen von Thür oder dem Segbachtal.
Die grobe Arbeit fand im Steinbruch statt, aber die Feinarbeit an den Mühlsteinflächen wurde im Mayener Vicus in den Steinmetzwerkstätten erledigt. Den reichlich abfallenden Abschlag verwendete man als Straßenschotter oder Pflaster.

Als die Kastelle begründet wurden, ging der Bedarf an Handmühlen fürs Militär zurück, weil in den Kastellstandorten große Mühlen aufgebaut wurden. Doch man fand Absatzmärkte in Germanien und im Norden.

Die zum Teil sehr großen Mühlsteine für die "Sanduhr"mühlen und die Handmühlen wurden wohl mit Schlitten nach Andernach transportiert, wo sie auf Schiffe verladen und bis Großbritannien verhandelt wurden.

Metallverarbeitung
Bronzegießer – Name Copiritus
Der Bronzeguss
Er basiert auf dem Einschmelzen von Barren oder zerbrochenen Gegenstänen aus Bronze. Bei 1000 Grad wird das Metall geschmolzen. Die Nachbearbeitung der Rohgüsse erfolgt mit Steinhämmern.








Legierung aus Kupfer und Zinn, Zierrat für Beschläge, Griffe, Bestecke, Schmuck, Gefäße, Götterfiguren, Nägel
Meist wurde gezogen oder gemiedet, oder in zwei- oder mehrteiligen Formen gegossen. Altmaterial wurde eingeschmolzen





Kandelaberschale


Bronzeklappspiegel


Bronzeeimer


Bronzekanne mit fein ziselierter Oberfläche


Bronzesensicheln


Bleigiesser

verziertes Fontänen-Bleirohr



Bleisarg


Bronzeschere



Verhüttungsindustrie für Eisen

Metallverarbeitung
Lucius Cornelius Atimetus - Schmied
aerarius – Beruf Metallarbeiter
Bleigiesser – Name: Gaius Tutor Servatius
Nägel, Haken, Beschlagbänder, Scharniere, Ketten, Fenstergitter, etc., Sicheln, Winzermesser,
Feuer, Blasebalg, Rohling/Barren, Hammer, Zange, Amboß,



Schlosser

Wie Schmied, ausserdem Feile, Schloss, Schlüssel,
Publius Licinius Philonicus – ein Schmied (Amboß, Schmiedehammer, Zange)
Lucius Cornelius Atimetus – ein Messerschmied
Gold- und Silberschmied/Juwelier
Lucius Cornelius Atimetus - Schmied
aerarius – Beruf Metallarbeiter
Bleigiesser – Name: Gaius Tutor Servatius
Nägel, Haken, Beschlagbänder, Scharniere, Ketten, Fenstergitter, etc., Sicheln, Winzermesser,
Feuer, Blasebalg, Rohling/Barren, Hmmer, Zange, Amboß,

Gussformen für Nägel

Schuhnägel eines Militärschuhes

Schmied

Rekonstruktion eines Schmiedeofens mit Werkzeug


Blasebalg



Für die Metallverarbeitung brauche man dann auch Holzkohle.
Die Köhler hatten zu tun, um mit ihren Meilern Holz zu Holzkohle zu verkokeln.

Gold- und Silberschmied/Juwelier
Tafelgeschirr nur aus Silber, Prunkgeschirre, Schmuck aus Silber und Gold, mit Edelsteinen
Glas- und Gemmenschneidern
anularius – Ringmacher/Juwelier



Schlüssel


Scharniere aus Knochen, Holz, Bronze


bronzener Türbeschlag



Silberschmiedekunst






Schmuck
Holz
Zimmermann
materiarius – Bauholzhändle
Publius Licinius Demetrius – ein Zimmermann (Axt, Messer, Drillbohrer)
Holzkonstruktionen f. Häuser, Fußböden, Decken, Treppen, Gerüste, Verschalungen, Türen, Fenster, Brunnenschächte, Bretter u. Balken auf Gehrung und mit Nut und Feder. (Axt, Hammer, Stemmbeitel, Dechsel, Lochbeitel, Sägen, Raspel, Nagelzieher)
Holzschlag und Holzverarbeitung, Drehbänke (z.B. f. Säulen), Zahnhobel, Löffelböhrer zum Aushöhlen on Stämmen für Wasserleitungen (durch Blechringe miteinander verbunden).
Die Zunft der Zimmerleute und Schmiede – collegium fabrorum tignariorum fungiert auch als Feuerwehr oder technische Nothilfe-Organisation
cuparius – Küfer, Fassmacher
Zimmermann
cuparius – Küfer, Fassmacher

Schreiner/Dreher

Möbel, Luxusmöbel, Schränke, Truhen, Regale, Stühle, Drechseln, Schnitzen
materiarius – Bauholzhändler

Schiffswesen
Nauta – Beruf Binnenschiffer (Schiffer und Transportunternehmer in einer Person)
Flussschiffe waren wohl etwa 34m lang und knapp 5 m breit und kiellos für die flachen Gewässer
Navicularii – Beruf Hochseeschiffer
Gubernator – Beruf Steuermann
Similio –  Name eines Bootsmanns
Chresimos – Name eines Flusskapitäns
Publius Longidienus Publii Filius (Publius L. Sohn des Publius) – ein Schiffsbauer
Fracht- und Lastschiffsführer/Unternehmen /Gilden der Schiffer, Verband der Steuermannshelfer, Treidler, Ruderer, Staker

Wagenbauer (Name: Q. Minicius Faber)
Es gab mit einer oder mehreren Achsen, geflochtenem Wagenkorb, geschlossen oder überdachter Wagenkasten, Leiterwagen, Ochsenkarren, elegante Reisewagen, schwere Lastwagen für Fässer, Ballen, etc.
Bei den Reisewagen waren Fahrgestell und Karosserie getrennt, der Wagenkasten wurde freischwingend in hochstehenden Metallkipfen aufgehängt.
Herstellung und Reparatur von Speichenrädern (Naben, Felgen, Achsschenkelbeschläge) erforderte sowohl Holzzurichtung als auch Metallbearbeitung.
Es liegt nahe, dass sich hier mehrere Fachrichtungen arbeitsteilig in einer Werkstatt zusammentaten.



Glas
Köln ist politisches Zentrum und Zentrum von Glas- und Tonindustrie; Quarzvorkommen bei Köln-Glasherstellung
Glasereien für Fensterglas (grünlich-gelb) oder feine Glasartikel
Felix – ein Glasbläser – vermutlich um Köln herum u. Ruhrgebiet, die Gläser über Glashändler bis Schweiz und Britannien verbreitet
Calpurnius und Ianuaris waren Glashersteller, die in Gallien beheimatet waren
Vieles mehr zu Glas auf der nächsten Seite.