|
Boppards Besiedlungsgeschichte geht mindestens
bis in die Zeit vor dem Ausbruch des Laacher Sees
zurück, der vor ungefähr 13000 Jahren geschah. Unter den
Ascheablagerungen fanden sich in Boppard Reste der
sogenannten Federmesserkultur.
Seit mindestens keltischer Zeit ist Bodobriga/Bontobrice wieder besiedelt. Der Ortsname ist keltischen Ursprungs. Man vermutet eine keltische Siedlung im Bereich der "Alten Burg" unterhalb der Sesselbahn. Unterhalb des Hanges gab es vereinzelte Funde aus der Ära der Höhensiedlungen. Auf dem Mündungsschwemmhügel am Ausgang des Mühltbachales hat man römische Funde ausgegraben. ![]() ![]() Statuette des Apollo
aus dem römischen Vicus von Boppard 1.-2. JH
Man vermutet, dass es in der großen Rheinschleife damals eine Furt und/oder Fähre gegeben hat, die den Handelsaustausch mit dem rechtsrheinisch-germanischen Gebiet erlaubte, ungefähr direkt in der Rheinschleife zwischen Filsen und dem Mühltal. Zudem war die Verkehrsanbindung über den Rhein nach Norden und Süden die Haupthandelsroute. Der allgemeine Flussverkehr und die Fischerei wurde wohl mit kleinen Flachbooten erledigt, deren Tradition als "Rheinnachen" bis in die Neuzeit reichte. Vom Rhein aus ging der Handelsweg über die heutige Kirchstrasse, Angert, (Kastellmauer) Richtung Proffen/Marienberg, Simmerner Str. in den Hunsrück und zur Mosel. Außerdem übers Mühltal und über das Peternacher Tal über den Hunsrück nach Koblenz - der Weg war viel kürzer als der durch das Rheintal. ![]() Confluentes/Koblenz war über den Höhenweg über den Kühkopf und am Remstecken vorbei in 8 Leugen erreichbar. Auch wenn der Weg am Anfang steil anstieg, kürzte man den Weg um mehr als die Hälfte ab nach Koblenz, um dann weitere Wege in die Vordereifel nach Rübenach/Rufiniacum, Ochtendung oder nach Kaisersesch, Richtung Trier ins zentrale Gallien zu nehmen. Die nördliche Route führte über Weißenthurm am Rhein vorbei nach Köln. Eine weitere Route über KO-Metternich/Matriniacum über die Karmelenberghöfe, die Drei-Tonnengruppe nach Saffig, Ochtendung, Polch weiter in die Eifel oder wieder Richtung Köln. Am Remstecken, an der Hünsrückhöhenstraße, hat man eine größere Villa rustica gefunden, auf der anderen Straßenseite ein Gräbermonument, weiter einen Merkur/Rosmerthatempel auf der Höhe (samt Herbergs- und Priesterunterkünfte). Dazu mehr auf der Villa-Remstecken-Seite. Bodobriga war also ein Knotenpunkt der Handelswege vom Mittelrhein. Im Zuge der Eroberungs Galliens durch Iulius Cäsar und der anschließenden römischen Übernahme und Besiedlung des linksrheinischen Gebietes wurde der Vicus Bodobriga (Baudobriga, Bontobrice) am Eingangsbereich zum Mühltal neben der Römerstraße (der heutigen B9) ausgebaut.. Unter dem römischen Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) wurde im Zuge des Ausbaus der am Rhein entlang führenden Heerstraße eine Reihe von Befestigungsanlagen angelegt. In Boppard entstand vermutlich zunächst eine mit Graben, Erdwall und Palisadenwand befestigte Anlage, ein Burgus, auf der freien Fläche in der Nähe der keltischen Siedlung am Mühlbach. Später, nach dem Bau des Steinkastells, verlegten die Einheimischen nach und nach ihre Handwerks- und Wohnhäuser in die Nähe bzw. an die jetzt stärker von Militär und Handel frequentierte Hauptstraße. Es entstand ein neuer vicus, eine offene Straßensiedlung. Der neue Vicus behielt wohl seinen keltischen Siedlungsnamen „Bodobrica“ bei. Nach den ersten Germaneneinfällen Ende des 3. Jahrhunderts beschloss Kaiser Diokletian während seiner Oberherrschaft, die Legionen von 6000 auf 2000 Mann zu verkleinern und Reiterei-Einheiten abzuschaffen. Es entstand ein beweglicheres und flexibel einsetzbareres Heer. Neue Truppenlager wurden an den Grenzen errichtet oder umgebaut und mit Mauern und Türmen befestigt. Die Befehlshaber dieser Einheiten entstammten dem Ritterstand (equites). Ritter wurden nun regelmäßig in den Senatorenstand aufgenommen. Die Stände verschmolzen miteinander. Die Provinzen wurden neu geschnitten.
Es gibt keine genauen Überlieferungen, wann
mit dem Bau des gemauerten Kastells in Boppard
begonnen wurde. Münzen und Ziegelstempel der 22.
Legion, die in Mainz stationiert war, wurden im
Kastellbad von Boppard verwende. Deshalb lässt das
eine Datierung des Baues bis spätestens 352/355 zu.
Also sollte die ganze Anlage früher errichtet worden
sein. Als Julian um 359 die Kastelle renovieren liess, waren sie definitiv schon mit Mauern und Türmen versehen und schon ein paar Jährchen alt. Der Ausbau der Standorte wird also zwischen 320 und 350 stattgefunden haben. Den Bau des Bopparder Kastells habe für meinen Roman ich in die angenommene Bauphase um 340 gelegt. Das Kastell unterstand dem Oberbefehlshaber (dux) in Mainz. Als in den späteren Jahren 406/407 germanische Stämme den Rhein südlich von Mainz überschritten, wurde die militärische Besatzung - wegen der bürgerkriegsähnlichen Kriegszüge der Kaisernachfolger gegeneinander und der Kriegsituation mit den Persern - endgültig abgezogen und im Osten des Reiches eingesetzt. Was vom östlichen Kaiser wohl auch genau so beabsichtigt war, um den römischen Gegner in einen Zweifrontenkrieg zu verwickeln. Man kann sich vorstellen, dass die reicheren Römer aus Senatoren- und Ritterstand sich aus der Region verzogen und sich auf ihre Güter weiter südlich im Reich in Sicherheit gebracht haben. Die keltischstämmige und romanisierten Einwohner, sowie die Veteranen, die keinen anderen Landbesitz hatten, werden sich im Schutz der Kastellmauern gegen die Überfälle und Plünderungszüge zu schützen versucht, eine militärische Restverteidigung und die zivile Verwaltung aufrecht erhalten haben. Eine Brandstelle lässt sich ca. ins Jahr 370 in den Thermen nachweisen. Man hat jedoch nicht herausgefunden, ob sie durch kriegerische Einwirkung entstand oder ob es aus "normalen" Gründen zu einem Brand gekommen ist. Insgesamt hat Boppard die Zeit gut überstanden. Bis 424 ist die Anwesenheit römisch ausgerüsteter Truppen in Boppard nachgewiesen. Die Christianisierung machte auch in Boppard Fortschritte. Nachdem das römische Reich endgültig gefallen und die Franken regional die Macht übernommen hatten, wurde die ehemalige große „Sport“halle, die Palästra der Therme, in eine Kirche verwandelt und der vermutlich gleich daneben vorhandene Tempel abgerissen. Vielleicht liegen seine Grundmauern noch verborgen weiter östlich unter dem Marktplatz. Nach Abzug der Römer bildete sich in Boppard ein fränkischer Königshof, wieder vor dem Mühltal, aus und die Stadt wurde Verwaltungszentrum des Bopparder Reiches. Kastell, Kastellmauer und Militär ![]() Auf Grund der Größe von knapp 5 Ha wird es wahrscheinlich eine cohors quingenaria peditata (ca. 1000 Mann Infanterie) beherbergt haben. Da auch die Franken und Germanen Schleudern und Feuerbomben benutzen, ist es wahrscheinlich, dass die Türme Spitzdächer mit Schiefer- oder Schindelabdeckung hatten, um die Geschosse wirksam abrutschen zu lassen. Die originale Römerstrasse verläuft auf der Südseite (ungefähr heutige B9-Umgehung). Das gemauerte Kastell wurde komplett neu außerhalb des Mühltalstandortes, nördlich der Römerstraße errichtet. Die Westfront bildet die Karmeliterstrasse, die vermutlich ein Festungsgraben/Spitzgraben war. Die Ostseite, die heute durch die Bebauung verläuft, kann man als Mauerrest von der Burgstrasse aus besichtigen. Die Südseite zieht sich ungefähr von oberes Ende Kirchgasse/Angert quer durch die dortige Häuserreihe bis auf Höhe des Hauses östlich der Evangelischen Kirche/Angert. Man streitet sich noch vehement unter den Wissenschaftlern, ob das Kastell eine West-Ost-Querung und entsprechende Tore hatte. Die interne Kastellstraße wäre jedenfalls ganz passend die heutige Oberstraße, die bis zum Bau der Umgehungsstraße auch die B9-Hauptverkehrsstraße von Boppard gewesen ist. Soweit ich das mitbekommen habe, tendiert man heute dazu, dass die Oberstraße das Kastell längs teilte. Am Ende der Fussgängerzone (Brockamp/Penny) hat man Reste von Toranlagen gefunden. Die Theorie ist also plausibel. Am Westende, heutige Ecke Karmeliterstraße/B9 zeigte die Ausgrabung 2011 nur fränkische Gräber, aber... wie von mir vermutet, auch die Reste eines römischen Streifenhauses aus dem 1. Jh n.Chr., was beweist, dass das Kastell nicht nur einfach auf freiem Gelände errichtet wurde; es war vorher schon Besiedlung dort. Die Nord-Süd-Durchquerung des Kastells ist heute ungefähr die Trasse Kirchgasse/Kronengasse die von Süden nach Norden an der westlichen Seite des Marktplatzes entlang verläuft. Ein Süd- oder Nordtor hat es wohl nicht gegeben; da wäre der Verteidigung auch abträglich gewesen. Es gab an der Südseite einen Kanaldurchlass für die Wasserzuführung zur Therme. Der war aller Wahrscheinlichkeit mit armdicken Gitterstäben gesichert. Vermutlich gab es einen Versorgungsdurchlass durch die Kastellmauer zum Rhein hin, wahrscheinlich dort, wo später mittelalterlich auch der Hafenkran auf der heutigen Promenadenausbuchtung vor dem Hotel Spiegel stand. Man wird kaum um das ganze Kastell herum gelaufen sein, um Militärtransporte ein- oder auszuladen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Rhein der Haupttransportweg für alle Güter war. Boppard wurde noch im Mittelalter wegen seiner hervorragend ruhigen Gewässer als guter Hafen gelobt. Die Strömung ist hier sehr ruhig. Vor der rheinseitigen Kastellmauer befanden sich vermutlich Bootsanleger, Werftgelände, Fischerkaten, Tavernen. Das Ufer war damals noch ursprünglich und weitgehend unbefestigt. Vom spätrömischen Kastell Bocobrica sind einige Mauern und Türme im Ortsbild erhalten. Insbesondere wurde die Mauer am Angert/Kirchgasse gesichert. ![]() ![]() Steinstraße Parkplatz
Römische Turmreste sind im Rundgang sichtbar vom Angert aus links vom evangelischen Pfarrhaus, hier auch mittelalterliche Außensanierung ![]() Hier sieht man große Steinblöcke in Zweitverwendung, z.B. von alten Grabmonumenten und darunter römisches Mauerwerk. ![]() Die schräg stehenden Steine wurden wohl mit zu festem Mörtel verbunden, der nicht flüssig genug war, um in die Fugen ganz einzusickern. Schlampige Arbeit gab es schon immer! ![]() hier war der Mörtel
flüssiger und hat die Bruchsteine gut miteinander
verbunden
Mittlerweile sind die Stellen befestigt worden und man sieht das nicht mehr. Um die Ecke herum, am
Restaurant Römerburg linke Hauswand.
Dort ist das
original im Boden erhaltene Turmfundament durch ein
Pflasterrondell markiert.![]() Das original römische Mauerwerk sind immer die hübsch eckigen Steine. Drüber und drumherum wurde meist mittelalterlich und neuzeitlich "renoviert". Wenn man im Bopparder Ortskern, z.B. am Marktplatz genau hinsieht, ist oftmals eine markant anderer Pflasterart verlegt, die die vermutlichen oder ergrabenen Verläufe der Kastellmauer oder von Türmen kennzeichnen. Die Mauern sind 3 m dick, rheinseitig 2 m. Rheinseitig gab es wahrscheinlich keine Türme, da von der Wasserfront her keine massenhaften Angriffe zu erwarten waren. Das innere Mauerwerk Kastells besteht aus Grundmauern aus Geröll zur Drainage, Grauwacke als Außen- und Innengemäuer und die Füllung aus Gußmauerwerk, also mit viel Mörtel und Bruchstein verfüllt. Leider hat auch noch niemand eine Untersuchung veranlasst, die die Herkunft des Baumaterials erkennbar macht. Die Grauwacke hat unterschiedliche Konsistenz und Farbe, das wäre doch eigentlich interessant zu wissen. Vermutet wird vielleicht ein Grauwackeabbau bei Oberwesel/Volsovia und eine flussabwärts-Verschiffung nach Boppard direkt zur Baustelle möglich gewesen sein oder ein Abbau aus dem sogenannten "Rattenloch" in der Kurve der Buchholzer Str. Die Römer haben sich für die Errichtung der Grundmauern ihrer Kastelltürme durch die Flussandschichten bis auf den Kiesgrund gegraben, um festen Boden zu bekommen. Wer in der Karmeliterstrasse die beiden Rekonstruktionen der Türme betrachtet, bemerkt, dass das Straßenniveau von der B9 bis zum Rhein hin ca. 8m Höhenunterschied hat. Dieser Niveausprung zeigt sich auch besonders mitten im Ort von der B9 die Burgstraße hinunter. Wobei man wohl ca. 3m moderne Niveauerhöhung abziehen muss - die alte Römerstrasse liegt ca. 3,14m unterhalb der heutigen Fussgängerzone. Es geht die Theorie, dass das Kastellinnere evtl. auf zwei Ebenen bebaut gewesen sein könnte, also evlt. mit einer Niveaubefestigung ungefähr entlang der heutigen Fussgängerzone durch eine Mauer, evtl. mit Treppen oder Rampenverbindungen. Der Höhenunterschied ist auf dem Marktplatz aber nicht so drastisch. Evtl. hat man zum Karmelitergraben hin innerhalb des Kastells Boden für die Komandatur aufgeschüttet, um ein gleichmässiges Niveau zu bekommen? Noch ist nichts Genaues ergraben. Definitiv stand die rheinseitige Kastellmauer so weit vom Rheinufer entfernt (siehe sogenannte Touristeninfo in der Karmeliterstrasse, die dort den Turm kennzeichnet), dass man während der normalen Hochwasserphasen im Trockenen blieb. Durch die Begradigung des Rheins im 19. Jahrhundert ist dieser Vorteil allerdings dahin"geschwommen" und es gab schon Hochwasserphasen, die die halbe Karmeliterstraße überschwemmten. In den Türmen wurden in Altgrabungen Ziegelreste gefunden. Leider sind auch die damals nicht gesichert worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren die Türme mit Ziegeldächern abgedeckt. Die alten Rekonstruktionszeichnungen mit Zinnen und offenen Türmen sind altertümliche Vorstellungen. Die Türme waren auch nur von Innen über die Wehrmauer betretbar und hatten keine Tore. Auf Grund der balistarrii-Bezeichnung ist folgende Bewaffnung des Kastells zu vermuten: Die Legionen verfügten über Geschütze, mit denen Steinkugeln, Brandpfeile und Bolzen verschossen werden konnten. Die Schusskraft wurde dadurch erreicht, dass die beiden Arme eines Geschützes in Spannsehnenbündel eingespannt waren und durch Auslösen des Mechanismus in ihre ursprüngliche Lage wieder nach vorn schnellten. Hierdurch wurde das Geschoß vorwärts getrieben. Es gab zweiarmige Flachbahngeschütze (catapulta) und auch zweiarmige Steilfeuergeschütze (ballista). Die Geschütze wurden entweder mitgeführt oder als Festungsgeschütze auf den Mauern belassen. Sie wurden hauptsächlich gegen angreifende Mannschaften eingesetzt, denn mit ihnen konnten keine Breschen in Mauern geschlagen werden. Außerdem dienten sie zum Schleudern von Brandpfeilen in feindliche Stellungen. Das Feldzeichen der Legion war der Legionsadler (aquila). Daneben gab es noch das Kaiserbildnis (imago). Die Manipel und die Centurien einer Legion besaßen ebenfalls Feldzeichen, genau wie wir das für die einzelnen Kohorten der Legion annehmen können. Die principia bildete das Lagerzentrum. Sie hatte verwaltungstechnische und kultische Aufgaben. Meist lag zur via principalis hin eine Vorhalle, die für Versammlungen und zum Exerzieren benutzt wurde. Dahinter befand sich ein Innenhof, an den sich eine Querhalle (basilica) mit (in Auxiliarlagern meist fünf) Räumen anschloß. Im Mittleren befanden sich das Fahnenheiligtum (aedes) mit den Feldzeichen (signa, vexilla), den Truppenaltären und den Kaiserbildnissen. Darunter im Kellerbereich bewahrte man die Truppenkasse auf, vielleicht gab es dort auch Arrestzellen. Bei den anderen Räumen handelte es sich um Diensträume, z. B. von Schreibern (tabularia) oder des Fahnenträgers (signifer). Dazu kamen noch die armamentaria, die Waffenräume, die auch an den beiden Seiten längs des Innenhofs angeordnet sein konnten. Im Innenhof selbst befand sich auf einem Podest das Tribunal, von dem aus Ansprachen gehalten und Befehle gegeben wurden. Das Wohnhaus des Kommandanten, das praetorium, war meist nach dem Schema der mediterranen Peristylvillen angelegt und befand sich in der Regel in Legionslagern hinter den principia, in Auxiliarkastellen rechts daneben. Die Soldaten selbst waren in sog. Mannschaftsbarracken, den centuria, untergebracht. Diese bestanden aus zehn Mannschaftsräumen (contubernia) mit je einem Wohn- und Schlafraum und Herd sowie einem Vorraum. Am Kopfende des Gebäudes lag der vergleichweise große, quadratische Wohnbereich des centurio. Die Dinge, die der Soldat unbedingt brauchte, mußte er auf dem Marsch selbst tragen (können). Dazu gehörten neben den Waffen noch Werkzeug, Kochgeschirr und eine eiserne Ration. Je nach Auftrag kamen noch ein oder mehrere Schanzpfähle hinzu. Die Traglast wog ca. 20 Kilogramm und wurde an einer Stange auf der Schulter mitgeführt. Die Centurien waren in Gruppen à 8 Mann aufgeteilt. Jede Gruppe oder »Stube« (contubernium) schlief zusammen entweder in einer Stube oder in einem Zelt. Die antiken Zelte waren steilwandig mit einer Grundfläche von ca. 3 x 3 Metern. Jedes contubernium hatte ein Tragtier zum Transport schwererer Gepäckstücke. Zusätzlich standen noch Wagen zur Verfügung, auf denen Verpflegung, schweres Schanzgerät usw. mitgeführt wurden. Für diese Lastwagen gab es eigene Remisen im Bereich der Lagerstraßen. Dazu kamen weitere Gebäude: Speicherbauten (horrea; z. B. für Getreide), Lazarette (valetudinaro), ein Optio war Lazarettvorstand), Werkstätten (fabricae), Latrinen, Ställe (stabula) und Bäder innerhalb oder außerhalb des Lagers. Man glaubt nachweisen zu können, dass am Mittelrhein überwiegend in Nord- und Mittelspanien ausgehobene Truppen stationiert waren. In den 400 Jahren römischer Besatzung werden aber auch Soldaten aus allen anderern Reichsteilen - aus dem heutigen Rumänien, Balkan, Nordafrika, Italien und Palästina - vorbei gekommen sein, vor allem während der jeweiligen Bürgerkriege um die Kaisernachfolgen. Dies beweisen viele Grabsteine mit entsprechenden Hinweisen auf die Herkunft der Legionäre und Hilfstruppen. Nach 25 Jahren haben römische Soldaten ihren Dienst erfüllt und erlangen das Bürgerrecht durch Anschlag ihrer Namen auf einer Urkunde an der Säule der Minerva in Rom. Die Urkunde ist von 7 Zeugen unterzeichnet. Jedem Soldaten wird eine Abschrift zugestellt. Mit dieser Urkunde ist er Bürger Roms, darf heiraten und seine Nachkommen sind ebenfalls römische Bürger. Später sind keine Urkunden mehr überliefert, wahrscheinlich weil das Bürgerrecht für alle Menschen auf römischem Staatsboden eingeführt wurde. Der Soldatenstand wurde erblich. Die Söhne von Veteranen waren ebenfalls dienstverpflichtet. Allerdings erhielten die Veteranen auch einige Steuervorteile. Die Soldaten durften während ihrer Dienstzeit zwar nicht heiraten, hatten aber meist Familien in den umliegenden cannabae und vici. Schon aus diesem Grund dürfte man in Mitteleuropa einen Genpool haben, der sich aus dem ehemaligen römischen Reich rund ums Mittelmeer - im wahrsten Sinne des Wortes - rekrutiert hat. Jede rassistische Anwandlung stößt damit, insbesondere in den Grenzen des ehemaligen römischen Imperiums, ins Leere. In Friedenszeiten wurden die Soldaten zu Arbeiten für die Allgemeinheit herangezogen: Ziegel brennen (weshalb Ziegel meist den Stempel einer Legion als Herstellungsmarke tragen), Straßen und Brücken bauen, Wasserleitungen und Aquädukte errichten (Vexillationes – Legionssoldaten, die für Spezialaufgaben abgestellt werden). Legionskommandant der Bonner 1. Legio im 3. Jahrhundert – Calpurnius Proclus Der legatus Augusti pro praetore (Prätor) ist der kaiserl. Generalgouverneur, bzw. Statthalter. Das ist der offizelle Titel des Statthalters, nach dem Konsul der höchste Beamte und Chef der Militär- und Zivilverwaltung mit oberster richterlicher Gewalt ausgestattet. Nur Mitglieder des ordo senatorius oder des Kaiserhauses erhalten diesen Rang. Die Thermen: Kaum ein Bopparder erinnert sich an die großartigen Funde und kein Tourist wird auf die Thermenanlage aufmerksam gemacht, die sich nur Zentimeter unter dem Pflaster des Marktplatzes befindet/befand. Es gibt es auch keine aussagefähige Hinweistafeln oder Fotos von den antiken Funden. Der Dia-Satz ist auch in Boppard vorhanden, darf aber nicht veröffentlicht werden, weil die Ausgrabung der 1960er-Jahre bis jetzt immer noch nicht publiziert wurde. Die Denkmalpflege hat eine größere Summe geboten, um villeicht einen Doktoranden dazu zu "überreden". Und so lange bleiben die Bilder unter dem Verschluss der Denkmalpflege. Während meiner Recherche suchte ich natürlich auch die Bibliothek der Denkmalpflege in Koblenz auf. Einer der Mitarbeiter hatte noch einen alten Tafelband im Schrank stehen, der die bislang einzigen veröffentlichten Fotos von der Ausgrabung enthielt. (allerdings auf schlechter Papierqualität). Damit müssen wir uns bis auf Weiteres begnügen. Nur die christlich-romanische Entwicklung der Kirche St. Severus, mittlerweile katholische Basilika AUF und IN den römischen Ruinen wird wieder einmal besonders wichtig genommen und vor Ort dargestellt. Leider hat man die best erhaltene römische Therme nördlich der Alpen, die sich unter der Pfarrkirche St. Severus und dem Bopparder Marktplatz befindet, nach der Ausgrabung von 1963-66 wieder völlig unsichtbar zugeschüttet. In Xanten hat man dagegen über den Druckstellen der Fundamente der Therme einen riesigen Glasbau errichtet und dort treten sich die Besucher praktisch in die Hacken. In Boppard KÖNNTE man sogar die Einrichtung der Therme mit Badebecken und Einzelbadewannen besichtigen, falls sie damals nicht zerstört wurden.Sämtliche Dias und Originalfotos der Ausgrabung von damals befinden sich entweder im Besitz der Landesdenkmalpflege oder in Privatbesitz (ich kenne den Mann). Ich denke, bevor nicht irgendein tapferer Doktorand/Doktorandin eine zusammenfassende Publikation über die Bopparder Fundlage geschrieben hat (ich werde das wohl nicht mehr erleben), gibt es wohl auch keine anderen Fotos außer denen des Tafelbandes. Rekonstruktionszeichnung der Therme über die Thermentechnik gabs in Xanten so einiges zu erfahren. Seite Xanten ![]() Befunde im Ostchor der Severuskirche ein Blick auf den Unterboden der Hypokaustums des Kastellbades. Hier gab es eine Warmwasserwanne, die auf Ziegelplatten von Hypokaustenpfeiler nachträglich eingebaut war ![]() Zwischen
den Pfeilern gab es starke Abaglerungen von Asche
An die Rheinmauer des Römerkastells lehnte sich innen ein Kastellbad mit den Maßen 50 x 35 m an. Münzen und Ziegelstempel der 22. Legion im Kastellbad lassen eine Datierung der Errichtung bis spätestens 352/55 zu, da die dortige Legion 351 endete. Die Thermen wurden an der rheinseitigen Mauer aus Schiefer-Grauwacke und mit neuen Ziegeln der XXII. Mainzer Legion errichtet. Braunroter Außenputz gab ein freundliches Aussehen, ein Ziegeldach schützte vor gallisch-germanischem Wetter und verglaste Fenster in der Südseite brachten Licht und Wärme. Im Süden der Therme (heutiger Marktplatz) befand sich eine große Freifläche (Exerzierplatz), im Osten Wirtschaftshof, im Westen Prätorium. Die Therme war vermutlich von einer Umfassungsmauer umgeben, die als Sichtschutz diente, da vermutlich mehr oder weniger nackt oder nur mit einem Tuch bekleidet, gebadet und Sport getrieben wurde. Auf der Eingangs-Südseite befand sind ein Korridor-Vorbau und seitlich die Auskleideräume, an der hinteren Mauer einen 180 qm großer Saal, die Sporthalle/Palästra, Bistro, etc. – die basilica thermarum. (Hahaha... es bedufte keines Papstes, um St. Severus zur Basilika zu erheben. Das war der Bau schon vor 1600 Jahren!) Der östliche Raum mit Apsis hat eine Fussbodenheizung im mittleren Raumteil, die nur auf mittlere Temperaturen heizte und als Erfrischungsraum zwischen Sporthalle und Bad angenommen wird. ![]() ![]() und Teile des Fundamentes des "Paradieses" der spätrömischen Kirche. Das Wasser für die Badeanlage kam in einer typisch römischen Wasserleitung an, die durch die Festungsmauer als Kanal hindurch geführt wurde, von Süden her aus den benachbarten Hängen des Rheintals (Schowes). Der Abwasserkanal führte unter den Thermen zum Rhein hin und spülte auf seinem Weg die Latrinen. Die Räume wurden durch Fußboden- (Hypokausten) und Wandheizung (Tubuli) erwärmt und geheizt. Der eigentliche Badetrakt im Südosten der Anlage ist dem Licht und der Wärme zugeneigt. Es gibt hier Kaltbad/Frigidarium, Schwitzbad/Sudatorium, Warmbad/Caldarium. Hier
sieht man das große Kreuz an der Severuskirche. Der
"INRI" guckt sozusagen in die römischen Badebecken.
Es gibt eine Wanne mit Abflussrohr aus Blei. Man fand auch „moderne“ Drehwasserhähne aus Bronze, wie sie auch heute noch benutzt werden. Das Wasser wird auf den Fußboden geleert und verdampft dort. Die Rohre liessen sich mit passenden Bleistopfen öffnen und Schliessen. Im Caldarium gibt es ein Warmwasserbassin in den Boden eingetieft, mit Fussbodenheizung. Hier konnte man sich mit heissem Wasser übergiessen??? (vermutlich war hier eher eine Wanne hochgemauert). Bestimmt gab es auch Massageliegen und Ruhemöbel. Nur Zentrimeter unter dem Marktplatzpflaster ![]() Kaltwasserbecken mit Einstiegsstufen Baderituale Vor dem Bad in den großen Becken reinigte man sich sicher vom groben Schmutz des Tages in Badwannen oder Übergießbecken. Es gab Barbiere, die Haarentfernung mit Pinzetten oder Rasur anboten, Schmutz aus den Ohren entfernten und Fingernnägeln feilten. Hier wurden auch Ohrlöcher für Ohrringe gestochen. Friseure dienten der Behandlung der Haare und deren Schmuck mit Kämmen, Haarnadeln, Haarteilen, Perücken. Haarnadeln hat man überall im römischen Reich aus allen billigeren und auch wertvollen Materialien gefunden: aus Knochen, Horn, Holz, Gold, Silber, Bronze, Glas und Gagat. Es wurden Spiegel aus Bronze benutzt. Nach dem Bad benutzte man parfümierte Öle oder Balsame als Deo, Schminken mit Farbpülverchen, vermischt mit Speichel oder Wasser aus Holz- Knochen-, Glasbehältern mit Korkstöpseln. Sicher wurde man auch mit Getränken und kleinen Mahlzeiten bedient, falls man das Geld dafür hatte. Keramik aus Mayen hat man hier gefunden und (Rädchensigillata) aus den Argonnen. Die Thermen wurden wahrscheinlich um 370 von einem Schadfeuer beschädigt. Ob es ein Unfall, ein germanischer Überfall oder vielleicht ein Konflikt unter den Einwohnern war, lässt sich nicht nachweisen. Nach den Germanenangriffen 406 wird das Kastell militärisch aufgegeben. Die Bopparder nutzen die Anlage jedoch weiter zu ihrem Schutz. Etwa 450 wird die Therme mit einer frühchristlichen Kirche überbaut. Dazu nutzt man vor allem die große Halle der Therme und baut mit 32x17m eine Saalkirche mit Ambo, Apsis, Baptisterium und Taufbecken (1,3m breit u. 60 cm tief) mit hölzernem Baldachin. Für manche Leute scheint die allerwichtigste Frage der Historie zu sein, wann es im Rheinland die ersten Christen gab. Wie immer galt damals auch die Devise: "Wes' Brot ich fress, des' Lied ich sing." Als Konstatins Familie sich dem Christentum zuneigte (Konstantin selbst war Zeit seines Lebens kein Christ), häuften sich auch die Taufen unter seinen untergebenen Amtsträgern, die sich dadurch einen Karrierevorsprung erhofften. Ab Einführung des Christentums als Staatsreligion und des spätestens dann beginnenden Verdrängungskrieges gegen die alte keltisch-römische Religion(en), muss man davon ausgehen, dass die Führungsschicht aus Staatsräson zum Christentum übertrat. Die Landbevölkerung wehrte sich aber noch jahrhundertelang gegen die Christianisierung. Die Taufe Chlodwigs gab nochmal einen Schub für das Christentum und ab ca. 800 wurde die Christianisierung innerhalb des Frankenreiches vorangetrieben und über die Elbe hinaus mit dem Schwert ausgedehnt. Weitere Historie Boppard wird unter den Franken Verwaltungszentrum. Die fränkischen Könige verfügten im Frühmittelalter am Mittelrhein über ausgedehnte Besitzungen. Verwaltungsmittelpunkt des Reichsgutkomplexes „Bopparder Reich“ zwischen Rhens und St. Goar war Boppard als Stadt (erstmals 643 urkundlich erwähnt) mit seinem Königshof am Mühltalausgang. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Boppard immer weiter und wurde im Jahr 803 als Reichsstadt bezeichnet. Der Fiskus Boppard wurde damals von den Konradinern verwaltet. Das Reichsgut fiel in ottonischer Zeit wieder an das Reich zurück. In der Zeit danach besuchten die Könige regelmäßig ihre Besitzungen in Boppard (Pfalz im Mühlbachtal). In salischer Zeit trat eine Bopparder Ministerialenfamilie auf den Plan, die im Auftrag des Königs von Boppard aus die Reichsburg Schöneck gründete und sich nach ihr benannte. Im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg von 1525 scheiterte der letzte Versuch der Stadt Boppard, gegenüber ihrem Landesherrn, dem Kurfürsten und Erzbischof von Trier, ein Stück der alten reichsstädtischen Autonomie zurückzugewinnen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) besetzten abwechselnd Spanier, Schweden, Franzosen, kaiserliche und bayerische Truppen die Stadt. Auch hier erfolgte wieder eine Durchmischung des gesamteuropäischen Genpools im Rheinland. Zwischen 1794-1813 wurde das gesamt Rheintal und damit auch Boppard von französischen Revolutionstruppen besetzt. Das linke Rheinufer wurde Bestandteil der Französischen Republik. Die städtischen Stifte und Klöster wurden aufgelöst, ihr Grundbesitz dem „Nationalgut“ einverleibt. Als Archäologe würde man Boppard ganz gerne einmal „sprengen“ und komplett ausgraben wollen. Die mittelalterliche Bebauung (und die heutige) wurde direkt auf den römischen Resten errichtet. Wo immer man unter den Häusern der Innenstadt den Boden aufreisst, findet man römische Bauten und die originale Hauptstraße ca. 3,13 Meter unter dem Straßenhorizont der heutigen Fußgängerzone. Hätte ich als Kind nur 30 cm tief in unserem gestampften Kellerboden direkt neben der alten B9 gegraben - was hätte ich wohl gefunden? |